Information
Das heutige Gelände des ehemaligen Treib- und Schmierstofflagers 44 der NVA geht auf einen Teil des nationalsozialistischen Rüstungsbetriebes „Paraxolwerk Niederlehme“ zurück. Dort wurde zwischen 1940 und 1945 Pentaerythrit hergestellt, ein Grundstoff für den Sprengstoff Nitropenta. Etwa einen Kilometer südlich des Hauptwerks befand sich ein Methanollager mit drei großen unterirdischen Tanks. Das Methanol diente der Herstellung von Formaldehyd, der in mehreren Reaktionsschritten zu Pentaerythrit weiterverarbeitet wurde.
Nach Kriegsende demontierten sowjetische Spezialkommandos zwischen 1945 und 1950 große Teile des Werkes, entfernten Maschinen und sprengten Gebäude. Die Methanoltanks blieben jedoch erhalten. Nach der Enteignung 1948 ging das Gelände zunächst in Gemeindeeigentum über und wurde teilweise weiterveräußert. 1951 übernahm die Kasernierte Volkspolizei (KVP) das Hauptobjekt, das ab 1956 durch die aus ihr hervorgegangene NVA erweitert wurde. Bis 1990 diente es verschiedenen Nachrichteneinheiten, darunter dem Nachrichtenregiment 2 (später 2. Nachrichtenbrigade).
Der südliche Lagerbereich wurde ab 1963 zum Treib- und Schmierstofflager 44 (TSL‑44) der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der NVA umgebaut. In den 1970er Jahren kam ein großer Doppeltank hinzu, der das Tankvolumen mindestens verdreifachte. In allen Tanks wurde der Flugkraftstoff TS‑1 (Kerosin) gelagert, der über Pipelines mit einer KfZ-Abfüllanlage und einer Kesselwagenstation verbunden war.
Nach der Auflösung der NVA übernahm die Bundeswehr das Gelände, stufte es aber bald als entbehrlich ein. Es fiel an die Bundesfinanzverwaltung und verlor seine Funktion als Betriebsstofflager. Spätere Pläne, das Areal als Reiterhof oder Ferienanlage neu zu beleben, blieben erfolglos. Obwohl 2014 ein Bebauungsplan für eine Hotel- und Freizeitanlage beschlossen wurde, verfällt das ehemals militärisch genutzte Gelände weiterhin.
Quellen:
https://vimudeap.info/de/atlas/nva-treib-und-schmierstofflager-44/images/