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Das VEB Kraftfuttermischwerk in Fürstenberg an der Havel war ein wichtiger industrieller Betrieb der DDR und ging aus der traditionsreichen Behrnschen Mühle hervor, die bereits 1912 am Röblinsee zwischen Bahngleisen und Wasserstraße errichtet wurde. Nach der Enteignung der Eigentümer wurde das Werk 1957 als volkseigener Betrieb neu ausgerichtet: Es produzierte nun vor allem Kraftfutter für die industrielle Landwirtschaft und beschäftigte zu Spitzenzeiten über 120 Mitarbeiter.
Durch die Lage direkt am See und den Bahnanschluss war eine optimale Anlieferung von Rohstoffen und Distribution der Produkte möglich. In der DDR zählte das Werk zu den größten Futtermittelherstellern der Region, verfügte über eigene Labore und war für die Versorgung der LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) zentral.
Mit der Wende und dem Ende der volkseigenen Betriebe konnte das Kraftfuttermischwerk ab 1990 wirtschaftlich nicht mehr bestehen. Die Produktion lief noch bis 1992, dann wurden die Maschinen verkauft und die Gebäude verlassen. Seitdem verfiel das ehemals 10.000 Quadratmeter große Fabrikgelände, auf dem sich bis heute vier Hauptgebäude und ein markanter Turm befinden, zunehmend. Viele Teile der Anlage sind ruiniert, und das Areal gilt als bekanntes Lost Place-Ziel, das für Entdecker und Fotografen zugänglich ist.
Mehrere Investoren versuchten seitdem, das Gelände umzuwandeln. 2021 wurde das Kraftfuttermischwerk von einer Entwicklungsgesellschaft übernommen, die plant, die erhaltenen Gebäude in ein urbanes Quartier mit Wohnungen, Gewerbe, Marina und Künstlerateliers zu verwandeln. Das Projekt wird politisch und gesellschaftlich kontrovers diskutiert; Teile des Areals gelten als Sanierungsgebiet, und eine Revitalisierung könnte 2027 beginnen. Doch bis heute bleibt der Standort ein Sinnbild für den Wandel: vom erfolgreichen DDR-Betrieb zur verfallenden Industrieruine.