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Das Werk Tanne war eine bedeutende TNT- und Munitionsfabrik während des Zweiten Weltkriegs. Errichtet ab 1935 nahm das Werk im April 1939 den Betrieb auf. Es gehörte zu den größten Sprengstoffproduktionsstätten des NS-Reiches und produzierte neben TNT auch Bomben, Minen und Granaten.
Die Produktionskapazität stieg in den Jahren des Krieges erheblich: von 6.100 Tonnen TNT im Jahr 1940 auf bis zu 28.000 Tonnen um 1943/44. Die Arbeit in der Anlage war sehr riskant. Am 6. Juni 1940 ereignete sich eine verheerende Explosion bei der über 60 Menschen starben. Die Detonation beschädigte die Infrastruktur und führte zur chemischen Belastung von Gewässern in der Umgebung.
Ab 1942 stieg der Anteil von Zwangsarbeitern deutlich an. Etwa 2.500 Menschen mussten unter harten Bedingungen arbeiten. Die Belastung mit TNT führte bei vielen zu gesundheitlichen Schäden wie Vergiftungen, Anämie, Leberschäden und Lungenerkrankungen. Ein Teil der Verstorbenen wurde auf dem sogenannten „Russenfriedhof“ am Unteren Pfauenteich begraben. Heute erinnert eine Gedenktafel an die Opfer.
Im Oktober 1944 wurde das Werk durch Luftangriffe weitgehend zerstört. Die Befreiung des Werks durch US-Truppen am 13. April 1945 markiert das Ende der militärischen Nutzung. Nach Kriegsende wurden die verbleibenden Anlagen gesprengt oder demontiert. Das Gelände blieb stark mit explosiven und chemischen Stoffen belastet, die sich bis ins Grundwasser der Umgebung erstreckten. Zwischen 1977 und 1988 begannen erste Entgiftungsmaßnahmen. Ab 1995 entstanden Reinigungsbecken zur Behandlung des kontaminierten Wassers.
In den letzten Jahrzehnten wurden innovative Sanierungsverfahren eingeführt, darunter Pflanzenkläranlagen, um die Böden und das Wasser weiter zu dekontaminieren. Gleichzeitig wird das Gelände für erneuerbare Energien genutzt.
Die Stätte ist heute Mahnmal und Schauplatz für historische Forschung. Führungen und Gedenkveranstaltungen ermöglichen eine Auseinandersetzung mit der Geschichte vor Ort.