Information
Das Schloss Dwasieden bei Sassnitz auf der Insel Rügen wurde zwischen 1873 und 1877 erbaut. Auftraggeber war Adolph von Hansemann, ein wohlhabender Bankier und Unternehmer der Bismarckzeit. Der Architekt Friedrich Hitzig, ein Schüler Friedrich Schinkels, entwarf den Bau im italienischen Neorenaissance-Stil. Das Schloss war das einzige Gebäude in Norddeutschland, das Fassaden aus Sandstein, Granit und echtem Marmor besaß. Umgeben war das Herrenhaus von einem 102 Hektar großen Park mit aufwendiger Gartenanlage.
Ursprünglich war das Schloss als prachtvolle Sommerresidenz gedacht, in der sich die High Society traf. 1935 verkaufte die Familie Hansemann das Schloss an die Gemeinde Sassnitz, die das Gebäude jedoch nicht selbst nutzte. Die Kriegsmarine übernahm das Schloss als Offizierskasino und richtete hier eine Entfernungsmessschule ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss leicht beschädigt.
Nach Kriegsende diente das Gelände unter sowjetischer Verwaltung als Unterkunft für Flüchtlinge und Umsiedler. 1948 wurde das Schloss im Rahmen der Bodenreform von den sowjetischen Besatzern gesprengt, weil es als Symbol des alten Regimes galt und die Nutzungsmöglichkeiten umstritten waren. Nur einige Reste wie der Marstall und Teile der Gartenanlage blieben erhalten. Das Areal wurde später als Militärstandort genutzt und blieb bis 1990 gesperrt.
Heute sind von Schloss Dwasieden nur noch Ruinen erhalten, die in einem bewaldeten Park oberhalb der Ostsee liegen. Das einst prächtige Schloss gilt als verlorenes Kulturdenkmal und wird gelegentlich in Führungen besichtigt. Die Ruinen zeugen von der glanzvollen, aber auch wechselvollen Geschichte dieses bedeutenden Bauwerks auf Rügen.