Information
Die Tuberkulose-Heilstätte Harzgerode wurde von 1929 bis 1931 nach Plänen des Architekten Godehard Schwethelm als Kinderklinik erbaut und bot Platz für rund 150 junge Patientinnen sowie ebenso viele Mitarbeiterinnen, von denen viele direkt auf dem Gelände lebten. Die Wahl des Standorts – mitten im waldreichen Harz, auf etwa 400 Metern Höhe – erfolgte aufgrund des damals als heilkräftig geltenden Klimas: Frische Luft, Ruhe und Sonnenlicht galten als zentrale Therapieelemente gegen Tuberkulose, eine zu jener Zeit häufig tödliche Lungenerkrankung, insbesondere unter Arbeiterfamilien.
Das Klinikgebäude ist ein Beispiel für Neues Bauen und Klassische Moderne und steht heute unter Denkmalschutz. Große, bodentiefe Fenster und lange Balkone sorgten dafür, dass selbst bettlägerige Kinder an der sogenannten Frischluft-Liegekur teilnehmen konnten. Spaziergänge im weitläufigen Parkgelände waren ebenfalls Teil der Behandlung.
Während der NS-Zeit blieb die Nutzung der Heilstätte als Kinderklinik bestehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus weiter genutzt, ab 1969 auch als Fachkrankenhaus für Atemwegserkrankungen. Die medizinische Bedeutung schwand aber mit dem medizinischen Fortschritt, insbesondere durch das Wundermittel Antibiotika ab den 1940er Jahren. Mehrere Modernisierungen, darunter eine millionenschwere Sanierung in den 1990ern, konnten die Schließung 1998 trotz massiven Widerstandes aus Bevölkerung und Politik nicht verhindern.
Nach Jahren des Leerstands begann 2014 die Umwandlung in ein gemeinschaftlich geprägtes Wohn- und Kulturprojekt, das mit Führungen und Veranstaltungen an die wechselvolle Geschichte dieses besonderen Ortes erinnert.