Information
Das Gipswerk in Neckarzimmern geht auf den Gipsabbau am Hornberg bzw. im Gipsstollen zurück und ist eng mit der BASF und der Kriegswirtschaft des 20. Jahrhunderts verbunden. Es entwickelte sich aus einem früheren Bergwerks- und Verwaltungsgebäude zu einem eigenständigen Werk zur Weiterverarbeitung von Rohgips.
Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurde dort Kalkspat und später Gips zum Kalkbrennen und für die Belieferung von Gewerben wie Porzellanherstellern abgebaut. Im 19. Jahrhundert entstanden mehrere Grubenrechte und kleinere Betriebe, die den lokalen Gipsabbau organisierten.
1914 schloss die BASF mit den Freiherren von Gemmingen-Hornberg einen Vertrag über die Nutzung des Gipsstollens, um Gips für die Ammoniak- bzw. Stickstoffchemie und damit für Dünger und Sprengstoff zu nutzen. Dafür wurde der Stollen stark erweitert, es wurden Rollbahnen und technische Anlagen unter Tage eingerichtet, und der Abbau intensiviert.
Nach 1929 übernahm die Portland-Zement AG den Gipsabbau mit geringerer Menge. Ab Mitte der 1930er Jahre wurde die Untertageanlage militärisch genutzt, u. a. zur Produktion von Rollen- und Kugellagern mit Zwangsarbeitern aus dem KZ-Außenlager Neckarelz.
Nach dem Krieg wurde 1946 ein neues Werk erstellt. Das frühere BASF-Bürogebäude aus der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde dabei zum Kern des Gipswerks, in dem der Rohgips aus dem Stollen industriell weiterverarbeitet wurde.
In der frühen Bundesrepublik blieb der Gipsabbau wirtschaftlich wichtig, während der Stollen selbst zusätzlich als Depot- und Technikstandort des Bundes genutzt wurde. Das Gipswerk Neckarzimmern steht heute für eine lange Industriegeschichte, die lokale Rohstoffgewinnung, chemische Industrie, Kriegswirtschaft und Nachkriegsaufbau miteinander verbindet.
Das Bürogebäude steht noch.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gipsstollen_(Neckarzimmern)
https://de.wikipedia.org/wiki/Gipswerk_(Neckarzimmern)
https://www.rhein-neckar-industriekultur.de/objekte/gipswerk-neckarzimmern