Information
Der Fliegerhorst Schönwalde-Glien wurde 1935 vom Reichsluftfahrtministerium in der Nähe von Berlin errichtet. Ursprünglich als Flugzeugführerschule der Luftwaffe geplant, entstand unter dem Tarnnamen „Sportflugplatz Hennigsdorf“ ein militärischer Komplex mit über 100 Gebäuden. Zu diesen zählten Kasernen, Werkstätten, Flugzeughallen, ein Kasino, ein Kino und ein Freibad. Bis 1943 wurden hier Piloten ausgebildet. Danach diente der Flugplatz Ergänzungs- und Transportfliegergruppen.
Im Zweiten Weltkrieg war Schönwalde-Glien aufgrund seiner Nähe zu Berlin strategisch bedeutsam. Am 24. April 1945 übernahmen sowjetische Truppen das Gelände kampflos. Die Nutzung durch die Rote Armee dauerte an, obwohl der Flugplatz für Düsenjets ungeeignet war, da sich der Platz im Berliner Luftkorridor befand. Hubschrauber wurden bis Mitte der 1950er Jahre stationiert.
Nach 1965 änderte sich die Nutzung erheblich: Der Fliegerhorst wurde als Artillerie- und Panzerkaserne verwendet, ein reiner Luftwaffeneinsatz fand nicht mehr statt. Bis zum Abzug der sowjetischen Streitkräfte 1992 diente das Gelände militärischen Zwecken, blieb jedoch der Öffentlichkeit verschlossen.
Seitdem verfällt die Anlage. Die gut erhaltenen Backsteinbauten spiegeln die Architektur der NS-Zeit wider und zeigen zugleich Spuren der sowjetischen Nachnutzung. Kasernen, Hangars und Infrastruktur geben Einblicke in die Bedeutung des Geländes als militärischen Stützpunkt.
Landschaftlich liegt der Fliegerhorst reizvoll zwischen märkischem Sand, bewaldeten Hügeln und Seen. Trotz seines Verfalls zieht er heute mit seiner spannenden Geschichte Geschichtsinteressierte und Urban Explorer an. Aufgrund des Zustands ist beim Betreten Vorsicht geboten.
Der Fliegerhorst Schönwalde-Glien steht als Zeugnis der deutschen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts und reflektiert den Wandel militärischer Strategien und politischer Machtverhältnisse vom Nationalsozialismus über den Kalten Krieg bis zum Ende der sowjetischen Präsenz.