Fischbachtal
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Information
Das Kinderheim „Rimdidim“ im Fischbachtal, Odenwald, wurde 1925 von der Naturfreundebewegung als Naturfreundehaus gegründet. Ziel war es, Kindern und Jugendlichen aus der Arbeiterklasse einen Zugang zur Natur und Erholung zu ermöglichen. Das Haus diente als Jugendherberge und Ort für soziale Bildungsarbeit. In den 1930er Jahren wurde das Heim von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und als Knabenübungslager umfunktioniert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es mehrfach für unterschiedliche Zwecke genutzt, darunter als Kinderlandverschickung, um Kinder vor Luftangriffen in sichere ländliche Gebiete zu bringen.
Nach Kriegsende kehrte das Heim langsam zur sozialen Nutzung zurück und wurde fortan von verschiedenen Trägern betrieben, unter anderem von der Arbeiterwohlfahrt, die es als Kinderheim führte. In dieser Zeit half das Heim vielen traumatisierten Kindern und Jugendlichen, die durch Krieg und Flucht ihre Familien verloren hatten, mit therapeutischen Angeboten und Betreuung.
In den 1990er Jahren nahm der Betrieb allmählich ab, und durch strukturelle Veränderungen im Sozialwesen wurde das Kinderheim geschlossen. Ein schwerer Brand in den frühen 2000er Jahren zerstörte weite Teile des Hauses. Seitdem verfällt das Gebäude zunehmend. Trotz Absperrungen zieht die Ruine Urbexer und Lost-Place-Fans an, die den melancholischen Charme eines Ortes erleben möchten, der viele bewegende Geschichten birgt, von sozialem Engagement bis zu dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte.
Heute dient „Rimdidim“ als mahnendes Zeugnis für die vielfältige Geschichte der sozialen Kinder- und Jugendbetreuung im 20. Jahrhundert und den Wandel gesellschaftlicher Strukturen in Deutschland.