Information
Die Aussegnungskapelle bei Saalow ist ein zentrales Bauwerk des angrenzenden Lazarettfriedhofs, einer Kriegsgräberstätte, die im Mai 1945 angelegt wurde. Ihre Entstehung war eine direkte Folge der letzten Kriegstage: Das nahegelegene Lazarett der Luftwaffe war mit verwundeten Soldaten sowie Flüchtlingen und Vertriebenen überfüllt. Wegen der zerstörten Verkehrswege konnten die Verstorbenen nicht mehr überführt werden.
Auf dem Friedhof fanden 1.033 Menschen ihre letzte Ruhestätte: 331 Soldaten der Wehrmacht sowie 702 zivile Opfer, die zwischen Oktober 1945 und dem 31. März 1952 im nachfolgend eingerichteten Umsiedlerkrankenhaus verstarben. Die Kapelle diente dabei als Ort für die Trauerfeiern und die Aufbahrung der Toten, wovon noch heute die Kühlkammer im Keller zeugt.
Nach dem Krieg wurde die Kapelle für die Trauerfeiern der Bewohner des "Pflegeheims Freundschaft" genutzt, das bis in die frühen 2000er Jahre bestand. Im Obergeschoss des Gebäudes befand sich eine kleine Wohnung, die dem zuständigen Totengräber als Unterkunft diente, was die funktionale Bedeutung des Baus unterstreicht.
Seit der Schließung des Heims verfällt das Gebäude. Durch Vandalismus und zweckentfremdete Nutzung, etwa für satanistische Rituale, wurden starke Zerstörungen verursacht. Dennoch bleibt die Kapelle ein Lost Place von hoher historischer Signifikanz, der die unmittelbaren Kriegsfolgen und die Pflegegeschichte der DDR dokumentiert. Im Jahr 2000 wurde der zugehörige Friedhof von der Gemeinde instand gesetzt.