Information
Das Kloster Bredelar blickt auf eine außergewöhnliche und teils skandalöse Geschichte zurück, die von religiöser Blüte über moralischen Verfall bis hin zur industriellen Nutzung reicht. Gegründet wurde die Anlage im Jahr 1170 durch den Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg als Prämonstratenserinnen-Kloster. Doch bereits nach nur 26 Jahren kam es zu einem abrupten Ende dieser ersten Phase: Aufgrund eines „wenig löblichen Lebenswandels“ der Nonnen wurde das Kloster aufgelöst – ein für die damalige Zeit bemerkenswerter Skandal.
Im Jahr 1196 begann mit der Ansiedlung von Zisterzienser-Mönchen aus dem Kloster Hardehausen eine neue Ära. Unter ihrer Leitung entwickelte sich Bredelar zu einer bedeutenden Abtei. Besonders im 13. Jahrhundert erlebte das Kloster seine kulturelle Blüte: Im hauseigenen Skriptorium entstand zwischen 1238 und 1241 die berühmte „Bredelarer Bibel“, ein aufwendig gestaltetes Meisterwerk mittelalterlicher Buchmalerei.
Trotz zahlreicher Krisen wie Kriegen, Bränden und wirtschaftlichen Schwierigkeiten blieb das Kloster über Jahrhunderte bestehen und erhielt im 18. Jahrhundert sein barockes Erscheinungsbild. Erst die Säkularisation im Jahr 1804 beendete das klösterliche Leben nach mehr als 600 Jahren endgültig.
Eine völlig neue Nutzung begann 1826, als der Unternehmer Theodor Ulrich die Anlage erwarb. Die ehemalige Klosterkirche wurde zur Industriehalle umfunktioniert und beherbergte einen Hochofen zur Eisengewinnung – ein eindrucksvoller Wandel von der spirituellen zur industriellen „Kathedrale“. Bis 1931 blieb Bredelar ein aktiver Wirtschaftsstandort, bevor der Verfall einsetzte.
Heute wird das ehemalige Kloster durch einen engagierten Förderverein erhalten und gilt als einzigartiges Kultur- und Industriedenkmal, das Geschichte auf eindrucksvolle Weise erlebbar macht.
Quellen:
27.04.2026 https://bredelar.info/cultures/geschichte
27.04.2026 https://www.denkmalschutz.de/denkmal/kloster-marsberg.html