Information
Die Geschichte des Messingwerks in Eberswalde reicht bis ins Jahr 1700 zurück, als das erste Messingwerk der Gegend auf Anordnung eines Kurfürsten eröffnet wurde. Zunächst unter staatlicher Verwaltung, wurde das Werk bald verpachtet, darunter für einige Jahre an drei Franzosen. Es produzierte Glocken, Kessel, Draht, Messinggefäße und Kleinwaren wie Knöpfe und Haken.
Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten übernahm der Staat ab 1719 erneut die Verwaltung, ließ Erneuerungen durchführen und verlegte das Werk an eine nahegelegene Schleuse. Wohnhäuser für Mitarbeiter wurden in unmittelbarer Nähe zum Werk errichtet.
1729 übernahm eine Bank das Messingwerk und blieb bis 1786 Pächter des Werks, sicherte sich die Zulieferungen für ihre Gewehrfabriken und ließ es erweitern. 1779 zählte die Siedlung des Messingwerks 283 Einwohner. Zur Attraktivitätssteigerung wurden Wohnräume mit Brennholz und Gartenland angeboten.
Trotz erneuter Wirtschaftskrisen ab 1850 wurde das Werk 1863 an ein jüdisches Unternehmen verkauft, das bereits ein Kupferwerk besaß. Es modernisierte das Messingwerk umfassend und unter der Leitung der Söhne der Familie wuchs das Unternehmen. Nach dem Tod des letzten Besitzers 1898 übernahm sein Neffe das Unternehmen und machte es 1906 zu einer Aktiengesellschaft. Bis 1918 wuchs die Belegschaft auf fast 2400 Mitarbeiter an.
1942 gelangte das Messingwerk in den Besitz der AEG und wurde in Messingwerk AG umbenannt. Während des Krieges wurde für die Rüstungsindustrie produziert. Nach Kriegsende 1945 wurde das Gelände von den Sowjets genutzt und weitestgehend abgerissen. 1949 wurde es jedoch für industrielle Nutzung freigegeben und 1950 mit einem Walzwerk zusammengelegt.
1990 wurde das Werk stillgelegt, aber 1993 von einem slowakischen Unternehmen übernommen und ging wieder in Produktion. 2012 erfolgte die endgültige Stilllegung des Werks. Seitdem verfällt das Gelände, doch die Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
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