Information
Das ehemalige Waisenhaus an der Salzdalumer Straße in Braunschweig ist eng mit der Stiftung „Großes Waisenhaus Beatae Mariae Virginis (BMV)“ verbunden, einer der ältesten sozialen Einrichtungen Deutschlands. Es wurde erstmals im 13. Jahrhundert gegründet und diente zunächst als Hospital für Kranke und Gebrechliche. Nach zahlreichen Erweiterungen und Veränderungen über die Jahrhunderte wurde das große Waisenhaus im Zweiten Weltkrieg 1944 durch alliierte Bombenangriffe weitgehend zerstört.
1961 erfolgte der Einzug von etwa 250 Kindern und Jugendlichen in einen Neubau an der Salzdalumer Straße, der eigens für die Stiftung errichtet wurde. Bis zur Schließung im Jahr 2004 war dieser Standort eine wichtige Anlaufstelle für Waisen und betreute zahlreiche Kinder und Jugendliche.
Seit der Schließung 2004 steht das Gelände leer, nachdem es 2013 von einem privaten Investor gekauft wurde. Die Gebäude sind mittlerweile verfallen und werden gelegentlich von Jugendlichen und Graffiti-Künstlern besucht, wobei die Natur das Areal zunehmend zurückerobert. Auch Obdachlose haben sich dort schon oft einquartiert.
Die Geschichte des Waisenhauses spiegelt auch schwierige Zeiten: In den 1960er und 1970er Jahren gab es Berichte über Gewalt und Misshandlung an untergebrachten Kindern, was leider dem Zeitgeist vieler Heimeinrichtungen entsprach. Die Stiftung hat sich später stattdessen auf ambulante Betreuungsgruppen und sozialpädagogische Angebote konzentriert.
Braunschweig besitzt mit dem Waisenhaus Salzdalumer Straße ein wichtiges Stück Stadtgeschichte sowie ein Mahnmal für die Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe.