Brandenburg an der Havel
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Information
Dieses technische Denkmal ist ein legaler Lost Place, welcher ausschließlich im Rahmen einer Führung besichtigt werden kann.
Das Werk beherbergt den bekannten „Siemens-Martin-Ofen XII“ im ehemaligen Stahl- und Walzwerk. Es war einst das größtes Stahlwerk der DDR und wurde ab 1912 errichtet.
In den 1920er-Jahren entwickelte es sich zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Stahlindustrie. Während des Zweiten Weltkriegs war es Teil der Rüstungsproduktion. Nach 1945 wurde es verstaatlicht und prägte als VEB Stahl- und Walzwerk Brandenburg die Industriegeschichte der DDR. Bis zu 10.000 Menschen arbeiteten hier.
Im Mittelpunkt steht der Siemens-Martin-Ofen XII, der letzte seiner Bauart in Europa. 1989 ging er in Betrieb und markiert damit auch das Ende einer Ära: Das Siemens-Martin-Verfahren war über ein Jahrhundert lang das wichtigste Verfahren zur Stahlerzeugung, bevor es durch moderne Elektro- und Sauerstoffkonverter verdrängt wurde. Mit jeder Schmelze konnten 180 Tonnen Stahl gewonnen werden. Diese Leistung konnte nur durch ein komplexes Zusammenspiel von Maschinen, Kränen und Transportanlagen erbracht werden.
Auf 4.500 Quadratmetern sind zahlreiche originale Räume und Anlagen erhalten: Werkstätten, Labore, eine Schmiede, Kräne und Lokomotiven. In der riesigen Gießhalle transportierte ein Kran eine 280 Tonnen schwere Pfanne mit flüssigem Stahl, während Dieselloks die Formen aus der Halle fuhren. Die Nebenräume dokumentieren das Alltagsleben im Werk. Es gibt reicht von der Kantine über Arbeitskleidung bis hin zu sozialen Einrichtungen.
Eine besondere Ergänzung bietet die Brennaborausstellung, die an die größte Automobilfabrik Deutschlands in den 1920er-Jahren erinnert und so die Verflechtung von Stahl- und Fahrzeugbau verdeutlicht.
Heute ist der Ofen XII ein seltenes technisches Denkmal und bewahrt ein Stück Industriegeschichte, das nur hier in Brandenburg noch authentisch erlebt werden kann.