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Die Unternehmerfamilie Carstens gründete 1946 in Tönnieshof, einem Ortsteil des traditionsreichen Töpferdorfes Fredelsloh, einen Feinsteinzeugbetrieb. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren einer der führenden Hersteller von Gebrauchsgeschirr in Deutschland. Bald wurde das Sortiment von schlichten Haushaltswaren hinzu kunstvoll gestalteten Zierkeramiken erweitert, die das Image des Unternehmens prägten. Ab 1953 kamen die international bekannten Keramikfiguren der Wiener Firma Goldscheider hinzu, die in Tönnieshof in Lizenz gefertigt wurden und weltweit Absatz fanden.
In seiner Blütezeit war der Betrieb ein zentraler Anker der Region: Bis zu 500 Menschen fanden hier Arbeit, dazu stellte Carstens 41 Werkswohnungen bereit, betrieb einen eigenen Laden und sogar ein Schwimmbad – Ausdruck der engen Verbindung zwischen Werk und Lebensalltag vieler Familien. Auf rund 15.000 m² überdachter Fläche entstanden monatlich bis zu 250 Tonnen Fertigware. 1966 erreichte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 7 Mio. DM und galt als bedeutender Wirtschaftsmotor im Landkreis Northeim.
Doch Mitte der 1970er-Jahre geriet die Keramikindustrie in einen tiefgreifenden Strukturwandel. Billigere Konkurrenz, veränderte Märkte und Fehlentscheidungen in der Firmenleitung führten zu einer Krise. Am 28. April 1977 musste Carstens trotz einer Landesbürgschaft von 1,6 Mio. DM Konkurs anmelden. Zwar wurde die Produktion noch einige Jahre von einer Auffanggesellschaft als „Ateliergemeinschaft Tönnieshof“ weitergeführt, doch auch diese musste 1984 Konkurs anmelden. 1987 endete schließlich jede Produktion.
Mit dem Untergang von Carstens verschwand nicht nur ein traditionsreicher Betrieb, sondern auch einer der wichtigsten Arbeitgeber - ein Verlust, der die Region bis heute prägt.