Information
Die Kirchenruine Wachau im Ortsteil Wachau von Markkleeberg bei Leipzig hat eine lange Geschichte. 1393 wurde erstmals eine Pfarrkirche urkundlich erwähnt, die bis ins 16. Jahrhundert zum Kloster Buch in Grimma gehörte. Die ursprüngliche Kirche wurde während der Völkerschlacht 1813 schwer beschädigt und war zunehmend baufällig.
Um 1860 entstand der Wunsch nach einem Neubau. Der Leipziger Architekt Constantin Lipsius entwarf eine neogotische Kirche mit einem 65 Meter hohen Turm, die von 1865 bis 1867 errichtet wurde. Schon im Einweihungsjahr stürzten bei einem Orkan die vier spitzen Türmchen ab. Weitere Reparaturen waren nötig.
Im Zweiten Weltkrieg musste die Gemeinde ihre Bronzeglocken für die Rüstungsindustrie abgeben. Bombenangriffe 1943 und 1945 beschädigten Dach, Fenster, Turm und Sakristei schwer. Aufgrund der Folgen des Krieges und der DDR-Politik konnten Reparaturen kaum durchgeführt werden, sodass die Kirche verfiel. 1956 fand hier die letzte Trauung statt.
1974 schlug ein Blitz in den Turm ein. Im darauffolgenden Jahr wurde der Turm aus Einsturzgefahr bis auf die Hälfte abgetragen. Die Trümmer wurden auf das Kirchendach geworfen, das daraufhin einstürzte und die Kirche endgültig zur Ruine machte. Dabei gingen wertvolle Architekturelemente verloren, doch das alte Uhrwerk und eine Glocke aus dem Jahr 1465 blieben erhalten.
1989 wurde die Ruine unter Denkmalschutz gestellt. 1993 wurde das Kirchenschiff vom Schutt befreit und 1996 gesichert. Seit 1997 finden hier wieder Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Konzerte statt. Die Ruine ist heute ein bedeutendes Kulturdenkmal, das die wechselvolle Geschichte des Ortes Wachau sichtbar macht.