Information
Das ehemalige VEB Chemiewerk Kapen bei Horstdorf in Sachsen-Anhalt gehört zu den geheimnisvollsten Industrieanlagen der ehemaligen DDR. Das weitläufige Gelände liegt in einem Waldgebiet nahe Oranienbaum und war über Jahrzehnte streng abgeschirmt. Heute erinnern verfallene Gebäude und überwucherte Anlagen an die Geschichte des Standorts.
Die Ursprünge reichen bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Ab 1935 entstand dort die Heeresmunitionsanstalt Kapen, in der Munition und später auch chemische Kampfstoffe produziert wurden. Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten zahlreiche Menschen auf dem Gelände, darunter auch Zwangsarbeiter. Wegen der militärischen Bedeutung wurde die Anlage stark bewacht und ausgebaut.
Nach dem Ende des Krieges übernahm zunächst die sowjetische Armee das Gelände. Später entstand dort das VEB Chemiewerk Kapen, ein wichtiger Rüstungsbetrieb der DDR. Trotz des harmlosen Namens wurden dort militärische Produkte hergestellt, darunter Handgranaten, Landminen und Zünder. Besonders bekannt wurde die Produktion der Selbstschussanlage SM-70, die an der innerdeutschen Grenze eingesetzt wurde. Wegen der geheimen Fertigung erhielt das Werk im Volksmund den Spitznamen „Puddingfabrik“.
In den 1970er- und 1980er-Jahren gehörte das Werk zu den bedeutenden Rüstungsstandorten der DDR. Das Gelände blieb streng gesichert und war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gleichzeitig führten die jahrelange Munition- und Chemikalienproduktion zu erheblichen Umweltbelastungen. Teile des Bodens gelten bis heute als belastet.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Chemiewerk 1990 geschlossen.
Quellen:
2026-05-21 https://www.stasi-mediathek.de/medien/lageplan-veb-chemiewerk-kapen/blatt/524/
2026-05-21 https://de.wikipedia.org/wiki/Heeresmunitionsanstalt_Kapen
2026-05-21 https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/der-veb-chemiewerk-kapen-und-die-splittermine-sm-70/